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Schimmelpilz – ein komplexes Thema: Wo liegen die Fehler?

Gebäude, die in den 60er bis 80er Jahren errichtet wurden, sind nach heutigen Gesichtspunkten in der Regel unzureichend wärmegedämmt und weisen zum Teil erhebliche Wärmebrücken auf. Weiterhin sind die vorhandenen Fensterkonstruktionen sowohl undicht als auch zumTeil in hohem Maße geschädigt. Im Rahmen der erforderlichen Sanierungs- bzw. Modernisierungs-arbeiten werden - die Gebäude außenseitig wärmegedämmt und - es werden die vorhandenen Fenster durch moderne Fensterkonstruktionen ausgetauscht.

Nach erfolgter Sanierung werden von den Nutzern der Wohnung sehr häufig Schimmelpilzbil-dungen gerügt, die zuvor nicht vorhanden gewesen waren. Als Gründe werden angeführt, dass

die Fenster zu Luftdicht seien und oder auch die Wände nicht mehr atmen können. Beide Argumente sind nicht richtig!

Schimmelpilze entstehen dann, wenn die in der Luft vorhandenen Pilzsporen günstige Lebensbedingungen vorfinden, so daß sie sich verbreiten und wachsen können. Ausgehend von den Sporen bildet sich auf den Wandoberflächen ein Pilzmyzel, das grüne, schwarze oder rote Färbung annehmen kann. Voraussetzung für das Wachstum von Pilzen ist, daß sich auf den Bauteiloberflächen oder in den Poren der die Wände bildenden Baustoffe Wasser (Kondensat) befindet. Nach neueren Untersuchungen ist es noch nicht einmal erforderlich, daß sich auf den Wänden Tauwasser bildet: Es reicht für das Wachsen von Schimmelpilzen aus, wenn während einer Zeit von ca. 6 Stunden täglich – über mindestens 5 Tage hinweg – die relative Luftfeuchte an den Bauteiloberflächen den Wert von 80% überschreitet.

Gründe für das Schimmelpilzwachstum nach erfolgreicher Gebäudesanierung:

  1. Das Wachsen von Schimmelpilzen nach erfolgreicher Sanierung eines Gebäudes kann unter anderem folgende Ursachen haben:
  2. Früher waren die Gebäude häufig mit Einfachverglasungen ausgestattet. An den Einfachfenstern ( erhebliche flächige Wärmebrücken ) bildete sich Tauwasser, so daß dem Raum Feuchtigkeit in erheblichem Umfang entzogen wurde. Das abrinnende Tauwasser wurde in Auffangkästen unterhalb der Fensterbretter gesammelt und schadlos entsorgt. Durch die „Entfeuchtung“ der Luft infolge der Tauwasserbildung wurde eine schädliche Feuchte im Bereich der Wände / Decken vermieden.
  3. Ein weiterer großer Anteil der Raumluftfeucht konnte über die vorhandenen Schornsteine entweichen. Im Zuge der Gebäudermodernisierung wurden die Ofenheizungen durch Zentralheizungen ersetzt; hierbei wurden die Schornsteine geschlossen oder abgerissen, so daß ein wesentlicher Anteil des Luftwechsels und damit des Feuchteentzuges entfiel.
  4. Nach der Modernisierung der Gebäude bemühten sich die Wohnungsnutzer, Heizenergie einzusparen, wobei die ordnungsgemäße Lüftung der Wohnung nur eingeschränkt vorgenommen wurde. Die Folge war, daß sich die vor der Renovierung vorhandenen Mechanismen der Feuchtigkeitsabfuhr ( Einfach-fenster / Schornsteine ), die nun nicht mehr vorhanden waren und aufgrund der falsch verstandenen Energieeinsparung eine ordnungsgemäße Lüftung unterblieb, so daß aufgrund der dadurch bedingten Erhöhung der relativen Luftfeuchtigkeit in den Räumen es zwangsläufig zu Schimmelpilzbildungen kommen mußte.

Zusammenfassung:

Die systematischen und zufälligen Fehler sind durch planerische und bauliche Maßnahmen zu vermeiden. Hierbei sind Sicherheitskonzepte zu berücksichtigen. Die Nichtberücksichtigung ist fahrlässig und verstößt gegen ingenieurmäßige Prinzipien. Die nutzungsbedingten Fehler sind durch Informationen der Nutzer und flankierende Maßnahmen zu vermeiden. Baufeuchte kann in der ersten Phase der Gebäudenutzung nicht vermieden werden. Schimmelpilzbildung läßt sich in solchen Fällen durch fungizide Anstriche vermeiden.

Anmerkung der Fa. Thesz:

Für planerische Fehler kann man nichts. Allerdings müssen wir darauf hinweisen, daß nach unserer Erfahrung, wie auch im Artikel erwähnt, eine Umstellung im Nutzerverhalten unbedingt notwendig ist. Vor allem an kälteren Tagen, an warmen Tagen geschieht das sowieso, sollte eine kontinuierliche Stoßlüftung vollzogen werden. d.h.: mehrmals täglich 3 – 5 Minuten die Fenster komplett zu öffnen und so die relative Luftfeuchtigkeit senken. Die Fenster zu kippen reicht oft nicht aus oder verursacht einen sehr hohen Energieverbrauch. Dieser sollte ja eigentlich durch die Gebäudesanierung gesenkt werden. Wer hier natürlich eine komfortablere Lösung sucht, ist mit einer geregelten Wohnungslüftungsanlage gut beraten. Die relative Luftfeuchtigkeit übersteigt Werte von 50%, bei richtiger Ausführung, so gut wie niemals. In den meisten Fällen kann der Schimmelpilz auch durch diese Anlage wieder zurückgedrängt werden. Er verschwindet zwar nicht ganz, wird aber am Wachstum gehindert und die eigentlich gefährliche Sporenbildung wird vermieden.

Quelltext: Zeitschrift für Wärmeschutz, Kälteschutz. Schallschutz, Brandschutz ( wksb ) 43/99

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